"Gefährlicher Artenschwund im Boden"

von: Super User
on 19 Januar 2021
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So lautete ein Titel in der heutigen TAZ unter der Rubrik "Wirtschaft + Umwelt" und weiter hieß es : "Kaum bekannt und stark gefährdet : Das Bundesamt für Naturschutz warnt vor dem Verlust von Artenvielfalt unter unseren Füßen". 2019 durfte ich mich auf dem Naturgarten-Forum Löhne im Rahmen eines Vortrages mit dem Thema Artenvielfalt auseinandersetzen und habe bereits damals das Augenmerk auf die Vielfalt im Boden gelenkt. An dieser Stelle möchte ich ihn nun stichpunktartig veröffentlichen - für alle Interessierte sowie für die, die nicht dabei sein konnten (aus technischen Gründen kann ich hier leider all die Fotos nicht einfügen, von denen der Vortrag im Original lebte). Der Titel lautete :

Ökolandbau und Biodiversität - Beiträge der biologischen Landwirtschaft zum Artenschutz am Beispiel Duftgarten

Definition Biodiversität laut Wikipedia : „Biodiversität oder biologische Vielfalt bezeichnet „die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören“. Damit umfasst sie die Vielfalt innerhalb sowie zwischen Arten, darüber hinaus die Vielfalt der Ökosysteme selbst. Nach dieser Definition besteht die Biodiversität auch aus der genetischen Vielfalt.

 

Die Genetische Vielfalt möchte ich außen vorlassen, denn bezüglich Nutzpflanzen sind dies umfassende züchterische Themen , die den Rahmen sprengen würden – und obwohl wir für unsere Gänsehaltung eine offene Wasserfläche vorhalten müssen und sich auf unserem Gelände ein sporadisch wasserführender Bachlauf befindet, möchte ich auch die „aquatischen“ Ökosysteme außer Acht lassen.

Artenschutz „an Land“

Arten nicht persé gut : bei unserer tagtäglichen Arbeit müssen wir uns auch permanent mit sog. „Schadorganismen“ auseinandersetzen, aber auch mit deren Gegenspielern, die wir im biologischen Anbau versuchen zu fördern bzw. gezielt einsetzen. Unter Ökologen ist nach meinem Kenntnisstand allerdings unbestritten, dass ein vielfältiges System mit einer möglichst hohen Anzahl an Arten immer stabiler ist. Schadorganismen breiten sich in Monokulturen immer viel schneller aus – es fehlen die Gegenspieler.

 

Das nur vorweg – Artenschutz „an Land“ , auch das ist ein umfassendes Gebiet und umfasst beispielsweise den in der Öffentlichkeit häufig vernachlässigten Bereich

Unter der Erde : Bodenorganismen

- „Blackbox“ Boden

- sichtbar : z.B. Lumbricus, der Regenwurm

- unsichtbar : Mikroorganismen, Handvoll Erde = Lebewesen

- Benefits des Biologischen Anbaus liegen auf der Hand :

keine Verwendung von Ackergiften – negative Auswirkungen auf Mikroorganismen

Einsatz von Gründüngungen :

Transfermulch-Verfahren / „Cut and Carry“

Begrünung / Mulchen der Wege im Gewächshaus

 

Ziel ist nicht uneigennützig und heißt Bodenfruchtbarkeit !!!

 

Über der Erde :

könnte man unterteilen in Flora + Fauna – die sich stark gegenseitig bedingen / beeinflussen – wovon ist hier eine Vielfalt abhängig :

- Landschafts-Struktur : betrifft konventionelle + biologisch arbeitende Betriebe

Großflächiger Anbau (Neigung zu Monokulturen), Kleinteiligkeit (Vielfalt resultierend aus Grenzen / Landschaftselementen wie Säume oder Hecken)

Duftgarten gutes Beispiel für Kleinteiligkeit, z.B. unsere Hecken, die aus Hartriegel, Schlehe, Weißdorn, Heckenrosen, Holunder, Schneeball, Holzbirnen, Ebereschen, Pfaffenhütchen, Hainbuchen und weiteren Arten bestehen.

(1200) Vor einigen Jahren konnten wir der konventionellen Landwirtschaft / großflächiger Bewirtschaftung kleine Parzelle „entreißen“ - 2020 wird uns das wohl auch mit einer weiteren Fläche gelingen

Interessanter neuer Ansatz in der Bio-Branche : Agroforstwirtschaft

Artenvielfalt kann man bezüglich Kultur- oder Wildpflanzen betrachten, wobei „Wildpflanze“ ein problematischer Begriff ist, da z.B. die sog. Ackerwildkräuter ja alle „Kulturfolger“ sind, größtenteils ohne Ackerbau bei uns gar nicht wachsen würden. Blicken wir also zunächst auf

- Artenvielfalt der Kulturpflanzen auf einem Betrieb steht in gewisser Abhängigkeit der Vermarktungs-Strukturen , Beispiel : die regionale Direktvermarktung im Duftgarten

Darauf abgestimmte vielfältige Kulturplanung – angebaut werden Gänsfuß-Gewächse (Mangold, Rote Bete, Spinat), Kürbis-Gewächse (Kürbisse, Zucchini, Gurken), Doldenblütler (Petersilie, Dill, Koriander, Fenchel, Pastinaken, Petersilienwurzel, Sellerie), Kreuzblütler (Kohlrabi, Rucola, Radies + Rübchen, Wirsing, Weiß-, Rot- + Grünkohl), Nachtschatten-Gewächse (Tomate, Paprika, Aubergine)

Innovationen der letzten Jahre : z.B. Malabar-Spinat + Schnittsalat-Komponenten wie Speisechrysantheme, Winterkresse, Blattsenf-Arten, Hirschhornwegerich, Neuseeländer Spinat

- hinter vielen dieser Arten verbirgt sich eine imense Sorten-Vielfalt , womit wir doch beim Thema „Genetische Vielfalt“ gelandet wären

- Acker-“Wild“kräuter sind die Begleiter der Kulturpflanzen , die im Bio-Anbau bekannterweise ohne Herbizid-Einsatz angebaut werden

- Wichtiger Bestandteil unserer Fruchtfolge sind Gründüngungen / Blühstreifen

- Weitere Naturschutz-Maßnahmen : Fledermaus- und Vogelnistkästen, Bienenhotel, die Pflege der Hecken, Aufschichten einer Trockenmauer aus Klinkersteinen, , Pflanzung + Pflege von Obstbäumen