Plastikverpackungen und Nachhaltigkeit im Duftgarten
04.03.2019
von: Carsten Schumacher
Zugriffe: 41

Verehrte Kund_innen,

seit einiger Zeit kommt es immer mal wieder zu kritischen Nachfragen bezüglich unseres Umgangs mit Plastiktüten im Rahmen des Lieferservices. Seit nunmehr 23 Jahren sind wir im Duftgarten bemüht, nicht nur Gemüse biologisch zu produzieren und regional zu vermarkten, sondern auch alle anderen Aspekte rund um unser Unternehmen möglichst nachhaltig zu gestalten. Als Beispiel möchte ich den frühen Einstieg in den Bezug von Ökostrom nennen – seit letztem Jahr erzeugen wir sogar einen Teil unseres Stromes mit Hilfe der Sonnenenergie selbst. Darüber hinaus heizen wir unsere Gewächshäuser seit vielen Jahren größtenteils mit Abwärme einer benachbarten Biogas-Anlage, die sogar in naher Zukunft zur Bio-Biogasanlage wird. Pioniere waren wir ebenfalls mit einem Erdgas-betriebenen Lieferfahrzeug sowie beim Einsatz von Papierschnur zum Aufleiten von Tomate & Co.

Nicht immer waren unsere Erfahrungen als Vorreiter positiv – ein Beispiel dafür sind die von uns über viele Jahre verwendeten Maisstärke-Tüten (siehe Foto). Diese kamen beim Verpacken von Salaten, Kräutern und einigen Blattgemüsen zum Einsatz und kosteten das 10-fache der herkömmlichen, aus Erdöl produzierten Plastiktüten. Das alles haben wir gerne in Kauf genommen, doch wollten wir irgendwann auch sicher sein, für diesen hohen Preis auch einen deutlichen „Mehrwert“ für die Umwelt zu bekommen. Die Tüten bestanden zu einem Teil aus Maisstärke, wurden aber unter Verwendung eines Anteils Erdöl hergestellt. Dieser war zwar nur so hoch, dass sie noch als kompostierbar galten – wie hoch der Erdöl-Anteil aber tatsächlich ist, konnte oder wollte uns der Hersteller nicht mitteilen. Darüber hinaus haben die regionalen Kompost-Werke immer wieder darauf hingewiesen, dass die Maisstärke-Tüten gar nicht im Haushalts-Kompost landen sollten, und es ist auch mittlerweile erwiesen, dass eben diese Maisstärke-Tüten zur Verunreinigung der Umwelt mit Mikroplastik führt. Auch bei unserer Kundschaft war die Qualität der Frischhaltung nach Jahren noch umstritten, weshalb wir uns schlussendlich wieder für die Verwendung konventioneller Tüten entschieden haben. Wir sind der Meinung, dass die Ökobilanz spätestens nach ein- bis zweimaliger Wiederverwendung im Haushalt ohnehin deutlich besser ist – zumal Plastiktüten ja in Deutschland auch nicht im Meer landen, sondern im Gelben Sack und somit nicht zu Mikroplastik im Meer werden. Wir glauben auch, dass jede/r Verbraucher_in bei allen weiteren tagtäglichen Kaufentscheidungen im Hinblick auf Plastik-Verpackungen noch viel mehr bewegen kann. Denkt man an Lebensmittel, ist schon viel erreicht, wenn möglichst wenig Produkte der Nahrungsmittel-Industrie gekauft werden, stattdessen mit frischen Zutaten gekocht wird, was darüber hinaus der gesunden Ernährung ebenfalls sehr zuträglich ist (interessanter Literatur-Tipp zu diesem Thema : das Buch „Lebensmittel“ von Michael Pollan, welches auch unsere Ernährungs-Philosophie treffend auf den Punkt bringt – unbedingt lesenswert !!!) .

A propos frische Zutaten : Plastiktüten kommen im Duftgarten ja nur zur Verwendung, damit Sie, verehrte Kund_innen, unsere mit viel Liebe und Mühe produzierten Gemüse, Kräuter und Salate auch in möglichst optimaler Qualität erreichen. Während der Verarbeitung in unsere Gemüsekisten nach der Ernte sowie während der Auslieferung muss vor allem das „Blattige“ vor Verdunstung geschützt werden. Bei losen Blättern wie z.B. Rucola, Spinat oder Feld- und Schnittsalat können wir auf eine Tüte auf keinen Fall verzichten. Was wir Ihnen aber anbieten können, ist der Verzicht z.B. bei als Kopf geernteten Salaten. Dies können Sie uns mitteilen. Wenn das Produkt dann etwas „schlapp“ bei Ihnen ankommt, sollten Sie es wieder anfeuchten und gegen weitere Verdunstung geschützt kühl lagern, z.B. in einer Tupperbox oder in ein feuchtes Tuch gewickelt. Der Kopf Salat wird sich dann bald wieder „erholen“.

In diesem Rahmen möchte ich auch noch auf die Bemühungen unseres Naturkost-Großhändlers hinweisen, bei all seinen logistischen Aktivitäten Plastik zu vermeiden. Die Ware wird uns auf dreiseitig geschlossenen Roll-Containern angeliefert, was ein Folieren (= Umwickeln der Ware mit Stretchfolie) unnötig macht.

Sie können sich darauf verlassen, dass wir auch in Zukunft weiterhin bemüht sein werden, alle Aktivitäten der Gärtnerei Duftgarten möglichst nachhaltig zu gestalten. Im Rahmen unseres Ab Hof-Verkauf´s sowie auf dem Wochenmarkt nehmen wir selbstverständlich gern Ihre selbst mitgebrachten Verpackungen, um diese mit unseren frischen Produkten zu befüllen – was wir beim Lieferservice allerdings aus hygienisch-rechtlichen Gründen nicht dürfen.

Erlauben Sie mir zum Schluss noch eine letzte, provokante These : ohne einen wissenschaftlichen Nachweis dafür erbringen zu können, möchte ich behaupten, dass die Erdöl-Einsparung bei Verzicht einer Flugreise oder Kreuzfahrt so hoch sein dürfte, dass mensch ein Leben lang seinen Feld- oder Schnittsalat und seine Rucola dafür in Tütchen packen kann. Die Diskussion ist eröffnet !!!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit und kritische Begleitung,

mit frdl. Grüßen aus dem Duftgarten,

C. Schumacher.